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Nina George
Foto privat

+ + + Wie arbeitet die Jury? + + +06.09.2018 Wir haben unsere Jurorin Nina George gebeten, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Ich arbeite seit etwa zehn Jahren in unterschiedlichsten Jurys – zurzeit für den European Union Literature Prize, zuvor aber auch in den Glauser-Jurys zum besten Kriminalroman, oder in anderen Jurys.

Bewertungskriterien besitzen dabei eine Balance von 90 % Objektivität und 10 % Subjektivität – denn Literatur ist sowohl bewertbar, als auch völlig jenseits einer Faustformel der Bewertung; ein Zwitterwesen, wie jedes Werk der Kunst. Ein und derselbe Text löst bei jedem Lesenden andere innere Echos aus, was den einen berührt, spricht den anderen nicht an. Das führt zu intensiven Debatten innerhalb von Jurys, und Einigkeit kann dann vor allem über die objektiven, „messbaren“ Kriterien erlangt werden.

Die Jury des DSPP setzt sich sehr divers zusammen; aber alle eint die handwerklich verankerte Liebe zur Büchern.
Wir haben uns auf fünf messbare Kriterien, und eine unmessbare Bewertung geeinigt:
Spannung & Interesse, Sprache, Idee & Relevanz, Dichte, Gestaltung – und die rein persönliche Empfindung.

• Wie dramaturgisch überzeugend und spannend ist der Text aufgebaut?
• Besitzt er einen inneren Rhythmus oder überrascht er mit Twists?
• Wie glaubhaft agieren und sprechen die Figuren
• Ist die Sprache frei von zu oft benutzten Metaphern und Wortwendungen, „passt“ sie zum Genre oder vermischt sie Genreformate? Ist sie eigen, hört man die unverwechselbare Stimme des Urhebers, der Urheberin?
• Wie gut recherchiert, strukturiert und innovativ sind Sachbücher?
• Wie originär ist eine Idee? Oder ist sie nicht ganz taufrisch, aber neu und mit ungewöhnlichen Perspektiven durchdrungen?
• Wie relevant kann ein Werk sein – was erzählt es uns über andere Kulturen, andere Liebe, anderen Hass?
• Was wagt der Text? Wie dicht ist er, hat er Längen, oder ist er ein um behäbige Ausuferungen geschliffener Solitär?
• Und, wenn es sich um selbst publizierte Bücher handelt: wie sieht die Gestaltung aus – Typo, Satz, Cover?
Im persönlichen Kriterium darf das jenseits des messbaren Handwerks einfließen; ob ein Buch uns persönlich beschäftigt hat, bezaubert, betört, inspiriert, bereichert oder sogar geärgert oder verstört – auch das spricht für einen starken Text, wenn er intensive Reaktionen auslöst!

Am Ende haben wir ein Punktesystem entwickelt, um die Bewertungen gerecht zu verfeinern – denn wenn eine Idee herausragend ist oder die Sprache außerordentlich, aber das dramaturgische Handwerk noch nicht ganz entfaltet ist, so verdient es das Werk dennoch, wohlwollend debattiert zu werden – und da kann der 100-Punkte-Zuschlag für die Sprache oder die Idee schon mal einen 20-Punkte-Plot-Hänger ausgleichen.

Am schönsten sind die Entdeckungen von Werken, die stimmig sind. Und das ist bei der Auswahl unserer Selfpublishingtitel auch in diesem Jahr häufig der Fall gewesen. Danke an alle Autorinnen und Autoren, die ihr Werk in diesem Jahr eingereicht haben!

Die Jury besteht in diesem Jahr aus Robert Duchstein, Nina George, Florian Geuppert, Vera Nentwich, Ronald Schild, Jochen Wegener & Marah Woolf.

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